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Grundlagen · Wiederladen

Rundlauf an der Patrone messen

Begriffe · Bezugsfläche · TIR

In Foren und Shops kursieren Rundlaufwerte, die sich nicht vergleichen lassen — nicht weil falsch gemessen würde, sondern weil nicht dabeisteht, was die Zahl bezeichnet. Fünf Begriffe reichen, um eine Rundlaufangabe eindeutig zu machen.

Kurz gesagt: Ein Rundlaufwert ist nur vergleichbar, wenn dabeisteht, was gemessen wurde. TIR ist der volle Zeigerausschlag über eine ganze Umdrehung — bei reinem Parallelversatz das Doppelte der Exzentrizität. Und weil die Drehachse dort entsteht, wo die Patrone aufliegt, dürfen zwei Geräte an derselben Patrone verschiedene Zahlen zeigen: Beide sind richtig, sie messen um verschiedene Achsen.

Die Messgröße

Rundlauf

Rundlauf ist nach ISO 1101 der volle Ausschlag über eine ganze Umdrehung um die Bezugsachse. An der Patrone heißt das: Das Messobjekt dreht sich einmal ganz herum, eine Messuhr tastet es an einer Stelle an — die Differenz zwischen höchstem und tiefstem Zeigerstand ist der Rundlauf.

Der eine Wert vermischt dabei zwei Ursachen, die er nicht trennt: einen parallelen Versatz (das Geschoss sitzt gerade, aber neben der Mitte) und einen Winkelfehler (das Geschoss sitzt schief). Deshalb gehört zu jeder Zahl der Antastpunkt — dieselbe Patrone zeigt am Hülsenhals einen anderen Wert als an der Geschossspitze. Im Extremfall gilt: Ein schief sitzendes Geschoss kann je nach Antastpunkt eine perfekte Null anzeigen.

Der volle Ausschlag

TIR — Total Indicator Reading

TIR ist der volle Zeigerausschlag — nicht die Hälfte. Die Frage taucht in Foren immer wieder auf: Sind 0,10 mm Ausschlag „0,10 mm Rundlauf“ oder 0,05, weil der Zeiger den Versatz doppelt zeigt? Die Antwort der Norm ist eindeutig: Angegeben wird der volle Ausschlag. Wer Werte vergleicht, muss wissen, welche der beiden Zahlen sein Gegenüber meint — sie unterscheiden sich um den Faktor zwei.

Der halbe Wert

Exzentrizität

Die Exzentrizität ist der Versatz der Mittelachse gegenüber der Bezugsachse. Bei reinem Parallelversatz zeigt die Uhr als vollen Ausschlag das Doppelte der Exzentrizität — die Halbierungsfrage von eben ist also genau die Frage, ob jemand TIR oder Exzentrizität angibt. Im Wiederladen ist der Begriff kaum gebräuchlich; gerechnet wird mit ihm trotzdem, oft ohne es dazuzusagen.

Parallelversatz und Winkelfehler im Vergleich Zwei schematische Patronen werden von oben mit einer Messuhr abgetastet. Links sitzt das Geschoss parallel neben der Hülsenachse; der volle Zeigerweg ist doppelt so groß wie der Versatz. Rechts ist die Geschossachse gegenüber der Hülsenachse geneigt. 01 PARALLELVERSATZ ×2 VERSATZ = HALBER WERT TIR = VOLLER WEG ×2 02 WINKELFEHLER ACHSE GENEIGT
Das Gerätewort

Konzentrizität

Konzentrisch ist, was um dieselbe Mittelachse liegt — streng genommen eine Eigenschaft zweier Achsen zueinander, keine Messgröße am drehenden Teil. Die Geräteklasse heißt im Englischen trotzdem Concentricity Gauge, im Handel auch Konzentrizitätsprüfgerät; gemessen wird mit ihr der Rundlauf. Für die Praxis gilt: Beide Wörter meinen im Wiederladen dasselbe Messverfahren.

Exzentrizität und Konzentrizität im Vergleich Zwei Kreisschemata: links zwei perfekt runde Kreise mit versetzten Mittelpunkten — exzentrisch, die Wand einseitig dick; rechts eine unrunde Innenkontur um dieselbe Mitte wie der Außenkreis — konzentrisch trotz ungleicher Wandstärke. EXZENTRISCH KONZENTRISCH
Die Auflage

Bezugsfläche

Beim Messen dreht sich die Patrone um eine Achse. Diese Achse macht nicht die Patrone — sie entsteht an den Stellen, an denen die Patrone im Gerät aufliegt. Nimmt ein Gerät die Patrone zwischen Hülsenboden und Geschossspitze, dann ist die Spitze einer der Drehpunkte: Dort kann der Zeiger kaum ausschlagen. Trägt ein Gerät dagegen nur den Hülsenkörper, dann schwingen Hals und Geschoss frei — der Zeiger schlägt weiter aus, die Zahl wird größer. Dieselbe Patrone liefert auf zwei solchen Geräten deshalb zwei verschiedene Zahlen, und beide sind richtig. Ein Gerät, das kleinere Zahlen zeigt, misst also nicht genauer — es lässt die Patrone nur anders aufliegen.

Dieselbe Patrone auf zwei verschiedenen Auflagen Links wird dieselbe fehlerhafte Patrone zwischen Hülsenboden und Geschossspitze gehalten und zeigt einen kleinen Ausschlag. Rechts liegt sie nur am Hülsenkörper auf; das frei auskragende Geschoss zeigt einen größeren Ausschlag. 01 AUFLAGE AN BEIDEN ENDEN KLEINER AUSSCHLAG 02 AUFLAGE AM HÜLSENKÖRPER GRÖSSERER AUSSCHLAG
Vergleichbar angeben

Eine vollständige Rundlaufangabe

nennt drei Dinge:

  1. den Wert als vollen Zeigerausschlag (TIR),
  2. die Bezugsfläche — wo das Messobjekt auflag,
  3. den Antastpunkt — wo die Tastspitze aufsetzte.

Ohne diese Angaben ist ein Wert nicht interpretierbar; mit ihnen kann ihn jeder nachvollziehen. Rundlaufwerte lassen sich darum nur innerhalb desselben Geräts vergleichen — und zu jeder notierten Zahl gehört der Antastpunkt.

Am einfachsten ist das, wenn der Antastpunkt kein „ungefähr am Hals“ ist, sondern ein ablesbarer Skalenwert: Trägt das Gerät Positionierskalen, wird die Angabe notiert und jederzeit wieder eingestellt.

Richtwerte

Richtwerte: Welche Werte gelten als gut?

Offizielle Grenzwerte der Sportverbände gibt es nicht. Die folgenden Werte sind Praxis-Richtwerte zur Qualitätsbewertung — etablierte Community-Richtwerte, die wir teilen und die sich in unserer Erfahrung bestätigt haben; die Quellen stehen am Ende des Abschnitts. Sie sind keine offiziellen Grenzwerte von Bench-Rest-, F-Class- oder PRS-Verbänden.

1. Geladene Patrone — Bullet Runout / TIR

Messposition: am Geschoss ca. 2,5 mm / 0,100″ vor dem Hülsenmund. Patrone um 360° drehen; Maximalwert minus Minimalwert = TIR.

Anwendung / BewertungTIR
Bench Rest / Extreme Präzision≤ 0,013 mm / 0,0005″
F-Class / Match≤ 0,025 mm / 0,0010″
PRS / gut≤ 0,051 mm / 0,0020″
Praxisgerecht≤ 0,076 mm / 0,0030″
Prüfenüber 0,076 mm / 0,0030″

2. Geschoss — Rundlauf / Out-of-Roundness

Messung: Geschoss auf definierter Auflage drehen. Messpunkt und Auflage müssen bei allen Geschossen identisch sein. Nicht an einer unregelmäßigen Geschossspitze messen.

Anwendung / BewertungTIR
Bench Rest / Custom≤ 0,005 mm / 0,0002″
F-Class / Match≤ 0,008 mm / 0,0003″
PRS / gut≤ 0,013 mm / 0,0005″
Prüfen / aussortierenüber 0,013 mm / 0,0005″

Für lose Geschosse existieren keine allgemein anerkannten Bench-Rest-, F-Class- oder PRS-Grenzwerte. Die Einteilung dient der praktischen Qualitätsklassifizierung.

3. Hülsenhals außen — Neck Runout / TIR

Messposition: außen am Hülsenhals direkt hinter dem Hülsenmund. Hülse um 360° drehen; Maximalwert minus Minimalwert = TIR. Neck Runout nicht mit der Variation der Hülsenhals-Wandstärke verwechseln.

Anwendung / BewertungTIR
Bench Rest / Extreme Präzision≤ 0,013 mm / 0,0005″
F-Class / sehr gut≤ 0,025 mm / 0,0010″
PRS / gut≤ 0,051 mm / 0,0020″
Prüfenüber 0,051 mm / 0,0020″

Quellen

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